Die Ausrüstung des Faltbootfahrers

Wir schreiben das Jahr 1935. Eine leichte Paddeljacke, Neoprenschuhe, Schwimmweste oder gar Trockenhose sind noch lange Utopie. Aber es gibt auch schon einen Ratgeber, wie Paddler sich am besten kleidet – an Land und im Boot: den „Ausrüstungs-Ratgeber für Wanderer, Bergsteiger, Schneeläufer und Faltbootfahrer“, 13 x 18,5 cm groß, erschienen im Verlag des Blodigschen Alpenkalenders, Paul Müller, München.

Der Verfasser Karl Schmidt hat auf 152 Seiten alles Wissenswerte zusammengetragen. Zur Paddlerkleidung schreibt auf Seite 29:

„Am Land sommerlicher Wanderanzug mit leichten Schuhen. Im Boot bei gutem Wetter Blusenhemd mit ‚Schillerkragen‘ und leichte, dunkelfarbene Turnhose, mit Tasche für das Notwendigste. Hemd soll lange Ärmel haben (Sonnenbrand, Mückenplage!). Weißer Stoffhut als Kopf- und Nackenschutz gegen die Sonne. Bei schlechtem Wetter Wollschlupfer und Windjacke oder besser Paddeljacke aus Ölseide aus Gummistoff (innen Stoff, außen Gummi), lang genug, um über Spritzdeckenöffnung und Rückenlehne zu reichen; dazu einen Südwester als Kopfbedeckung (fest angebrachte Kapuze gibt Beengung der Kopfbewegung, erschwert Hörbeobachtung des Flusses!) und Paddelfäustlinge oder so lange Ärmel, daß Fäustlinge nicht nötig sind. Bootschuhe kann man sich aus Bootshautstücken selbst schneiden und zusammennähen, die Sohle doppelt. Sie müssen sich leicht aus- und anziehen lassen und doch gut sitzen. Lederschuhe sind untauglich, Segeltuch-Turnschuhe mit Gummisohlen sind verwendbar. Am besten sind besondere Bootschuhe mit Wasserauslauf an der Ferse.“

Auf den Seiten 55 bis 65 geht er dann genauer auf die Ausrüstung des Faltbootfahrers ein, beginnend beim „sportgerechten Faltboot“ (unter dem Link sind diese Seiten nachzulesen).

Damals schon ein wichtiges Utensil sind die Paddeltropfringe, die sich gar nicht so sehr von den heutigen unterscheiden. Spritzdecke, Bootsleine, Kleiderbeutel sind gar nicht so weit von den heutigen Anforderungen entfernt. Beim aufblasbaren Rückkissen, „das mit einem Gurt (besser 2 Gurten) umgeschnallt wird“, beginnen wir jedoch zu Schmunzeln. Allerdings: Bei einer Kenterung musste man sich damit keine Sorgen machen – es diente gleichzeitig als Schwimmweste. In den letzten Jahrzehnten außer Mode gekommen ist der Flaggenstock, und „Bordlaternen für verkehrsreiche Gewässer“ sind auch nicht mehr vorgeschrieben …

Die ausführlichen Beschreibungen versetzen uns zurück in die Zeit vor rund 90 Jahren. Ich hätte mir noch die ein oder andere Zeichnung mehr gewünscht, um mir das ein oder andere Utensil noch plastischer vorstellen zu können.

Das Buch befindet sich im Archiv des Vereins Bayerische Kanugeschichte.

Uschi Zimmermann (04-2026)

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