Olympia-Buch Berlin 1936

Der 168 starke Fotoband mit Sammelbildern über die Olympischen Sommerspiele von 1936 ist eines der Glanzstücke im Archiv des Vereins Bayerische Kanugeschichte. In Berlin stand der Kanurennsport zum ersten Mal im Olympischen Programm – in jeder Beziehung ein voller Erfolg. Nicht zuletzt, weil Deutschland zwei Gold-, drei Silber- und eine Bronzemedaille gewann, darunter ist der Sieg des Münchners Ernst Krebs.

Das Buch ging 2010 von Christoph Daniel aus Wiesbaden in den Bestand des VBK-Archivs über, wofür wir ihm sehr, sehr dankbar sind.

Der Autor des Buches kommt ins Schwärmen, wenn er über die Regattastrecke in Berlin-Grünau auf der Dahme schreibt: „… da fährt der Winder über das blaugraue Wasser, da hüpft das Sonnengeglitzer millionenfach auf den kurzen Wellen, da werfen sich Gischtspritzer an dem Pfahlwerk der Baken hoch, die längs der zweitausend Meter langen Regattastrecke aufragen …“

Für die Wettkämpfe findet er ebenso überschwängliche Worte: „Es sieht alles so leicht und elegant aus, die Boote schweben dahin, als befänden sie sich auf einer Wanderfahrt. Dabei ist es doch härtester Kampf mit ganzem Einsatz. An den Ufern fliegt verworrenes Geschrei auf. Die erste Marke ist passiert. Das Geschrei steigert sich. Sprechchöre wogen durcheinander, nehmen aber doch nicht den festen und schließlich alles niederwuchtenden Ton an, den sie im Stadion zuweilen bekommen. Der Raum ist zu groß hier draußen. Es gibt zu viel Wind. Das Boot, das bislang an zweiter Stelle gelegen hat, schiebt seine Spitze zögernd vor, gar zu zögernd, wie es einem scheinen will, noch ein wenig, noch ein wenig, jetzt ist es auf einer Höhe mit dem führenden und jetzt hat es einen Meter gewonnen. Jetzt eine halbe Länge, jetzt … Aber da schießt es schon über die Ziellinie! Das Geschrei der Zuschauer verebbt. Der Wind weht und wettert. Die Wellen gluckern. Und dann fängt der Lautsprecher an zu summen, knackt einige Male und verkündet mit gleichmütiger Stimme das Ergebnis des Laufes …“

„19 Nationen hatten insgesamt 100 Mannschaften entsandt; mit Ausnahme von Brasilien und Lettland waren alle Länder vertreten. Diese erste Olympia-Kanuregatta wurde zu einem einzigartigen Erfolg durch die mitreißenden Bootsrennen, die Zehntausende von beifallsfreudigen Zuschauern in den Bann zogen. Sie führten zugleich zur Erkenntnis, daß der Kanusport mit voller Berechtigung den Kampfsportarten einzugliedern ist. Damit dürfte der Kanusport die olympische Feuertaufe bestanden haben.“

Die olympische Feuertaufe hatte der Kanurennsport in der Tat bestanden. Fortan war er aus dem Programm der Olympischen Sommerspiele nicht mehr wegzudenken.

Am 7. August 1936, dem ersten Tag des Kanu-Programms, standen die Rennen über 10.000 Meter im Kajak-Einer an. „15 Fahrer am Start, darunter Ernst Krebs vom KCTG-München als Favorit. Den einzigen ernsthaften Widersacher, den Österreicher Landertinger, hat der Deutsche nach den ersten Kilometern schon mit 30 Metern abgehängt. Von diesen gibt er im Verlaufe des Rennens an den angriffslustigen Österreicher 5 Meter wieder ab, zieht dann auf den letzten 1000 Metern ohne bedrängt zu werden dem Ziele zu. Krebs gewinnt als bester Langdistanzler der Welt die goldene Medaille.“

Ergebnis:

  • Gold: Deutschland (Ernst Krebs, München)          46:01,7 Min.
  • Silber: Österreich (Fritz Landertinger)     46:14,7 Min.
  • Bronze: USA (Ernest Riedel)         47:23,9 Min.

Im Kajak-Zweier siegte bei einer Beteiligung von 12 Nationen ebenfalls das deutsche Boot mit Ludwig Landen und Paul Wevers aus Köln (45:45 Min.) vor Österreich und Schweden.

Im Faltboot-Einer waren 13 Nationen am Start. Xaver Hörmann aus Eßlingen lieferte sich mit dem österreichischen Favoriten Gregor Hradetzki und dem französischen Champion Henri Eberhardt „einen Kampf auf Biegen und Brechen. … Bei den Tribünen entspinnt sich ein Dreikampf von seltener Schönheit, aus dem der alte Kämpe Hradetzki mit zwei Längen Vorsprung als Sieger vor Eberhardt hervorgeht; 1 ½ Längen hinter diesen wird Hörmann guter Dritter und erhält die Bronzemedaille.“ Übrigens paddelte Henri Eberhardt in einem Faltboot der Pionier Faltboot-Werft in Bad Tölz.
Die Zeiten: Hradetzki = 50:01,2 Min. / Eberhardt = 50:04,2 Min. / Hörmann = 50:06,5 Min.

Weitere Ergebnisse für Deutschland:

  • 2. Platz für Helmut Cämmerer im K1 1.000 m
  • 2. Platz für Ewald Tilker / Fritz Bondroit (Herford) im K2 1.000 m
  • 2. Platz für Willi Horn / Erich Hanisch (Berlin) im K2 Faltboot 10.000 m
  • 3. Platz für Erich Koschik (Hamburg) im C1 1.000 m
  • 4. Platz für Hans Wedemann und Heinrich Sack im C2 1.000 m
  • 4. Platz für Walter Schuur und Christian Holzenberg im C2 10.000 m

Uschi Zimmermann (05-2026)

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