Paddelsport und Flußwandern von CIL (1924)

In „Paddelsport und Flußwandern“ erzählt der Autor Carl J. Luther von der Mentalität des Vereinssports – es „menschelt“ halt überall. Luther war kein Psychologie, aber er konnte gut beobachten und im Grunde hat sich in den letzten 100 Jahren diesbezüglich nicht allzu viel verändert:

„Zu vielerlei Charaktere sind heutzutage unter einem Klubstander vereint, als daß sie alle könnten zusammenpassen. Zumal für große Fahrt, wo wir uns ganz anders gegenüberstehen, als unter dem Druck des städtischen Zusammenlebens. Es wird gerne von solchen, die nicht rasch genug Anschluß finden, über Cliquenbildung geklagt. Gemach, Freund, sieh zuvor in dich selbst ein wenig hinein, du findest hernach dann eher deinesgleichen, als wenn du nur immer die andern ansiehst.

Wohl sind unsere Vereine dazu da, Anschluß zu geben und Kameradschaft zu pflegen, doch sind beide Begriffe nicht ein und dasselbe. Von den Vereinen sagt Korn im „Kanufahrtenspiegel“ sehr richtig: Das innere Band, die gemeinsame Einstellung und Einfühlung kann zunächst nur durch kleine Gebilde erreicht werden.

Deshalb hänge man sich unterwegs nicht ungefragt und ungeladen an solche „Clique“ an, wenn sie auch unter dem demselben Stander fährt. …“

Paketchen bilden

Luther informiert aber auch über uns heute selbstverständliche Verhaltensweisen:

„Kein Boot verläßt die Gruppe oder bleibt außer Sicht, am wenigsten hinter ihr, ohne Wissen der andern und des Führers. Bei großen Gruppen, z. B. Vereinsfahrten, hat ein Schlußmann als „Lumpensammler“ Dienst. …

In ruhiger, breiter Strömung ist eine hübsche Abwechslung, die Boote dicht zusammenzulegen und sozusagen ein Floß zu bilden. … dann läßt sic gut plaudern. Man kann einen Teil der Leute schlafen lassen, man kann futtern, sogar abkochen, sogar – Vorsicht! – Platz wechseln, indes die Flügelboote unliebsame Berührungen mit dem Ufer vermeiden. Wir nennen dies „Paketchen“ bilden.“

Frauenfeindlich?

Die Seiten 116 und 117 sind den „Kajakfrauen“ gewidmet. Hoppla: Das klingt ja direkt frauenfeindlich! Aber so war damals der Zeitgeist. Eine Frau in einem Kajak hatte noch Seltenheitswert. Luther scheint 1924 noch etwas hin- und hergerissen zu sein, ob er Kajakfrauen nun belächeln oder bewundern soll. Ein gewisser Zynismus lässt sich nicht leugnen:

„… Zimperliesen sollen zu Hause hocken.

Es gibt welche, die … man nur einmal mitnimmt, und – sagte ein Sportsmann, als er zum Flußwandern angeregt wurde – ein schönes Boot ist leichter zu finden als die passende Kajakfrau. Er hat recht. Ich paddle nicht ohne Grund zumeist im Einer unter meinem Hausstander, der gelben Neidflagge, die neidig zu glücklicheren Freunden im Zweier hinüberwinkt und von ihnen ganz unverdienterweise als Pestflagge gescholten wird.

… Ist die sportliche Betätigung der Frau im allgemeinen vielleicht doch etwa auf das eingestellt, was man Aufmerksamkeit erregen nennt? Zuschauen mit Beifalls- und Personenkultgelüsten stehen allerdings selten an den Ufern unserer Sportbahn.“

So ganz ernst zu nehmen ist der Artikel über die Kajakfrauen sicher nicht. Aber es macht Spaß, die Einstellung von anno 1924 auf diese Art und im Bewusstsein des heutigen Selbstverständnisses nachzuerleben. Die Autorin dieses Artikels kann jedenfall darüber schmunzeln.

Thomas Neff aus Bad Tölz hat das Büchlein von CIL Luther 2007 dem Verein Bayerische Kanugeschichte gespendet. Es hat eine Größe von 20 x 14 cm und enthält 164 Seiten. Herausgegeben wurde es 1924 vom Verlag Dierk & Co in Stuttgart.

 Text + Scans: Uschi Zimmermann (07-2026)

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