Handgezeichnete Gewässerkarten von Karl Schmalz

Heute geht man in die Canua App und findet darin alle Informationen, die man gerade sucht. Wem das noch nicht reicht, weil er z. B. in Oberfranken Detailwissen über das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth – ein UNESCO Weltkulturerbe – erfragen will, dem gibt das „weltweite Netz“ jede erdenkliche Auskunft. Doch es gab auch einmal andere Zeiten, sogar noch vor den Jübermann-Karten.

Schon um 1930 veröffentlichten CIL Luther und Alfred Heurich eine Faltkarte als „Wasserführer Isar (u. Loisach) Mittenwald – München“. Heurich hat danach noch viele Streckkarten erstellt – vornehmlich über große Wanderflüsse. Der bayerische Wanderwart Hermann Gründl trat in den 70er Jahren in seine Fußstapfen. Er vermisste wohl Karten über seine fränkischen Heimatflüsse und trug wesentliche Daten in die von ihm gezeichneten Streckkarten (z. B. Wiesent, Rednitz, Pegnitz mit Nebenflüssen) ein.

Selbst ist der Mann!

Karl Schmalz, Kanugruppenleiter der Naturfreunde Hof, ging es ähnlich wie Gründl. Vor allem vermisste er Gewässerkarten von den Flüssen und Bächen seiner Heimat Oberfranken. Also woher nehmen? Selbst ist der Mann! Erst recht, wenn er sich dabei fachmännischer Hilfe bedienen konnte.

Als Schlosser bei einer Metallbaufirma in Hof hatte er guten Kontakt zu den Konstrukteuren des Unternehmens. Sie gaben ihre beruflichen Vorstellungen weiter mittels detaillierter Zeichnungen, die sie am Reißbrett auf Transparentfolie erstellten und auf Papier kopierten. Das Transparent wurde archiviert.

Karl Schmalz nutzte diese Methode für kanusportliche Zwecke. Er legte das Transparent über eine Wanderkarte, pauste die Daten ab und ergänzte sie mit wichtigen Angaben, wie z. B. Paddelkilometer. Die Zeichnungen fertigte Eugen Heuberger, ein ehemaliger Schullehrer, an. Sie geben den Karten das gewisse „Etwas“ und helfen bei einer schnellen Orientierung.

Damit all das gelingen konnte, befuhr Karl Schmalz – unterstützt von jugendlichen Kameraden – zahlreiche Flüsse und übertrug seine Notizen in die Karte. Zur besseren Lesbarkeit wählte er jedoch einfache Beschreibungen.

Selten und historisch wertvoll

So entstand 1978 die „Gesamtkarte Frankenwald“. Sie fand auch guten Zuspruch beim Bezirk Oberfranken. Mithilfe seiner Firma ließ sie sich dank seines guten Kontakts zu den Arbeitskollegen leicht vervielfältigen, wenn Paddelkameraden danach fragten. 1985 erstellte Karl Schmalz so auch die „Gesamtkarte Oberfranken“.

Im Spätsommer 2026 überließ er zwei kopierte Exemplare aus seinem Besitz dem Verein Bayerische Kanugeschichte. Wir sind sehr glücklich über diese beiden neuen, historisch wertvollen Schätze!

Aber historisch wertvoll sind sie nicht nur aufgrund ihrer Seltenheit und der Herstellungsweise. 1989 kam es zur Wiedervereinigung Deutschlands, die Grenzen zur früheren DDR fielen damit weg. Noch eine weitere Generation, und kaum jemand wird sich mehr daran erinnern, wo diese Grenzlinien einst verliefen. Und wie viele der eingezeichneten Gewässer in 20, 30 Jahren dann wohl noch paddelbar sind ???

Karl Schmalz hat seinerzeit Pionierarbeit geleistet und dafür gesorgt, dass ein Stück (bayerische) Kanugeschichte erhalten bleibt. Die Originale sind übrigens noch heute in seinem Besitz.

Uschi Zimmermann/Karl Schmalz (Oktober 2026)

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