Hermann Siebold
Hermann Siebold
* Februar 1943
Seit den 70-er Jahren hat Hermann Siebold den
Bayerischen Kanu-Verband entscheidend mitgeprägt – von seiner Ausbildung als einer der ersten Übungsleiter (heute: Trainer) Kanusport über diverse Ehrenämter bis hin zum Ehrenmitglied, zu dem er beim Bayerischen Kanutag 2009 ernannt wurde.
Hermann Siebold gilt als „Institution“ im Kanusport. Er war immer für andere da und half, wo er konnte. Darauf konnte man sich immer verlassen.
Durch seine Tätigkeit als Übungsleiter bei Fritz Glasers Jugendwochen wurde Hermann Siebold für zahlreiche Jugendliche zu einem festen Begriff. Auch in seinem Heimatverein, dem MTV München, engagierte er sich maßgeblich am Aufbau einer Jugendgruppe. Von ihm konnte man sehr viel lernen – als jugendlicher Anfänger im Boot ebenso wie als Übungsleiter-Neuling. Sport – Spiel - Spaß – das war immer seine Devise beim Kanusport. Manch einer konnte das bewusst erleben – und sei es nur, dass ruhigere Flusspassagen mit Gesang überbrückt wurden. Mit dieser Methodik hat er unzählige Kinder zum Kanusport gebracht, und noch viel mehr hat er das Kanu fahren gezeigt und gelehrt.
Auch in der Ausbildung von Erwachsenen zeigte sich Hermann Siebold aktiv. Als zu Beginn der 1980-er Jahre die Erwachsenen-Wildwasserlehrgänge unter der Leitung von Werner Schmidt ins Leben gerufen wurden, war Siebold als Übungsleiter von der ersten Stunde an dabei.
Sicherheitspapst
In den 80-er Jahren absolvierte Hermann Siebold den
Kanulehrer-Lizenzlehrgang beim DKV und war im damaligen DKV-Sicherheitskreis Kanu (SKK) tätig. Viele Erkenntnisse im Bereich der Sicherheit, auch bei für den Kanusport geeigneten Dachträgersystemen, gehen auf Untersuchungen und das Engagement von Hermann Siebold im Rahmen des SKK zurück. So wirkte er auch beim Sicherheitssymposium 1984 in Augsburg mit. Sicherheitsexperten im Kanusport aus ganz Europa gaben sich hier ein Stelldichein.
Siebold untersuchte Schwimmwesten und Wurfsäcke auf ihre Tauglichkeit und führte hochprofessionelle Crashtests an der eigens dafür geschaffenen Anlage bei BMW durch – eine absolute Einmaligkeit im Kanusport. Viele Erkenntnisse im Bereich der Sicherheit, sei es im Rahmen der Entwicklung neuer Helme, Schutzwesten, Wurfsäcke und Bergehaken, der Bergeeinrichtung am Boot oder auch das „Cowtail“ (teilweise auch Eigenentwicklungen) gehen auf Untersuchungen bzw. die Initiative von Hermann Siebold zurück. Sie sind heute für jeden Wildwasserfahrer selbstverständlich. Seine Arbeiten für den DKV/BKV im SKK brachten Hermann Siebold dann auch den Beinamen „Sicherheitspapst“ ein.
Neues Ausbildungskonzept
Fast gleichzeitig wurde er vom damaligen Wanderwart
Hermann Gründl mit der Leitung der Fahrtenleiterlehrgänge im BKV betraut. Das heute noch im BKV angewandte Lehrgangskonzept für die Ausbildung der Fahrtenleiter hat hier seinen Ursprung, also bereits zu Anfang der 80-er Jahre (zum Vergleich: in unserem Dachverband DKV gibt es diese Ausbildung erst seit 2007). Ebenso führte er während dieser Zeit unzählige Übungsleiter-Fortbildungslehrgänge für den BKV durch, seinem Naturell gemäß schwerpunktmäßig in den Bereichen Wildwasser und Sicherheit.
Als 1988 das Ressort Ausbildung verwaist war, stellte sich Hermann Siebold kurzerhand als Ressortleiter zur Verfügung. Seine Frau Ellen soll damals gesagt haben: „Du machst ja eh schon alles, dann kannst du auch noch Ressortleiter werden.“ Der darauffolgende Übungsleiterlehrgang 1988/1989 war alles andere als einfach. Dennoch gelang es ihm, das Ausbildungskonzept komplett neu zu gestalten, auch wenn es ihm nicht vergönnt war, es komplett in die Praxis umzusetzen. Nichtsdestoweniger konnten seine Nachfolger in diesem Amt von diesem Lehrgang maßgeblich profitieren.
Wildwasserwandern
Von 1989 bis 1999 war Hermann Siebold in vielen Funktionen aktiv, sei es kommissarisch als Ressortleiter Sicherheit oder eben im Lehrteam bei der Übungsleiteraus- und -fortbildung als „Sicherheitspapst“. In dieser Funktion war Hermann auch für den DKV, bei diversen anderen Landes-Kanuverbänden oder auch bei der DLRG Passau unterwegs. Letztere war damals schon für die Absicherung der berühmten „Bayerwald-Regatta“ auf der Ilz zuständig und hatte sich an den BKV gewandt mit der Bitte, ihr doch den Umgang mit Wurfsack und Karabiner zu zeigen. Noch heute profitieren die DLRG-Retter und somit auch die am Wettkampf teilnehmenden Wildwasserrennsportler von diesen Lehrgängen.
2001 übernahm Siebold das Ressort Wildwasserwandern, das er bis zum Kanutag 2009 erfolgreich leitete. In dieser Funktion führte er jährlich bis zu drei Lehrgänge im Wildwasser-Breitensport v. a. für erwachsene Kanu-Freizeitsportler durch. Die Lehrgänge erfreuen sich seitdem allgemein großer Beliebtheit und sind aus dem Ausbildungsprogramm des BKV nicht mehr wegzudenken.
Zukunftsweisend
Als „Hans Dampf in allen Gassen“ gehörte seine Liebe immer besonders der Ausbildung von Kindern und Jugendlichen im BKV. Als Anreiz für sie führte er 1991 das Kanusportabzeichen ein, über das sich im Laufe von Jahrzehnten Hunderte von Kindern im BKV gefreut haben. Übrigens ist der Europäische Paddelpass (EPP) im Grunde eine Weiterentwicklung des Kanusportabzeichens, nur dass dieser in fünf statt in drei Stufen erworben werden kann.
Und auf noch eines ist der Münchner ganz besonders stolz: So ganz „nebenbei“ entwarf er 1990 das Logo des Bayerischen Kanu-Verbandes, das bis heute wesentlicher Bestandteil der Corporate Identity des Verbandes ist.
Text: Uschi Zimmermann / Oliver Bungers (2024)
Funktionen:
- seit 1974 Übungsleiter/Trainer Kanusport
- 1988 Ressortleiter für Aus- und Fortbildung
- 2001-2009 Ressortleiter für Wildwasser-Breitensport
- langjährige Mitwirkung im BKV-Lehrteam
Auszeichnungen:
- 1987 BKV-Ehrenbrief
- 1990 BKV-Ehrennadel in Silber
- 1995 BKV-Ehrennadel in Gold
- 2001 Ehrennadel des Bayerischen Landes-Sportverbandes
- 2005 BKV-Ehrenteller
- 2009 Ehrenmitglied im Bayerischen Kanu-Verband
- 2010 Ehrenbrief des Deutschen Kanu-Verbandes
- 2013 Ehrenamtsmedaille für besondere Verdienste im Sport
Anekdoten
Hermann Siebold war mit Oliver Bungers und zwei seiner Freunde auf Korsika zum Wildwasserfahren unterwegs. Bei der Befahrung eines Wehres fuhr Hermann etwas zu weit links, nach eigener Bekundung, um „auf dem Foto besser zu wirken“. Leider befand sich dort aber eine Felsrippe im Unterwasser, was dazu führte, dass er sich gleich beide Beine brach.
Das hielt ihn aber nicht davon ab, sich trotz zweier Gipsbeine hinters Steuer zu setzen, die Gruppe zu den Einsatzstellen zu fahren und dort wieder abzuholen.
Oliver Bungers