Helmut Handschuh

Helmut Handschuh galt als der „Meistermacher" schlechthin. Der Erfolg gab ihm Recht: Über fast fünf Jahrzehnte profilierte er sich als einer der qualifiziertesten deutschen Trainer.

Helmut Handschuh

* 6. Mai 1928 † 3. August 2000


Obwohl extrem geradlinig, war er als Mensch wie bei seinen Trainingsmethoden nicht immer unumstritten. Er forderte bedingungslos alles, von sich selbst ebenso wie von seinen Schützlingen: absolute Hingabe an den Sport, kein Opfer durfte zu groß sein.

Handschuh stand immer voll im Leben, ruhte sich nie auf seinen Lorbeeren aus. Nach jedem noch so großen Erfolg richtete er den Blick sofort auf die nächste Herausforderung.

Über 50 Jahre war er Vereinstrainer. Mit über 100 deutschen und mehr als 30 Weltmeister-Titeln sowie zwei Olympiasiegen avanciert der Augsburger zum erfolgreichsten Vereinstrainer der Welt. Karl Heinz Englet war der erste Weltmeister, den er betreute, Oliver Fix der letzte und mit der Doppel-Weltmeisterschaft und dem Olympiasieg 1996 auch der erfolgreichste.

Dazwischen geleitete der zielstrebige Augsburger Weltklasse-Athleten wie Bernd Kast, Herbert Beck, die Gebrüder Trojowsky, Gisela Grothaus, Dieter Förstl, Peter Micheler, Jürgen Kübler, Eva Roth und Olympiasiegerin Elisabeth Micheler-Jones durch ihre kanusportliche Laufbahn.

Über einen Zeitraum von acht Jahren setzte ihn der Deutsche Kanu-Verband in unregelmäßigen Abständen als Kader-Trainer bei den Kajak-Herren der Nationalmannschaft ein.

Der Meistermacher, Boss, Ideengeber, wie er immer wieder genannt wurde, war 1960 Gründungsmitglied der Kanu Schwaben Augsburg und acht Jahre lang deren Abteilungsleiter, Sportwart und Trainer in einer Person. Zielsicher ging er seinen − manchmal auch unbequemen − Weg, entdeckte immer wieder neue Möglichkeiten, überzeugte mit seiner Erfahrung und koordinierte die Trainerarbeit im Verein. Handschuh fand sich stets von Neuem bestätigt mit seinem sicheren Blick für junge Talente, die er dann in seiner Meisterschmiede über Jahre hinweg formte. Nur in einem zeigte er sich nicht als Meister: Viele und große Worte lagen ihm nicht. Trotz aller Erfolge stand er immer still und bescheiden im Hintergrund, setzte sich selbst nie in Szene.

Der Kettenraucher und passionierte Kaffeetrinker Helmut Handschuh bestimmte das Geschehen um den Eiskanal wie kaum ein anderer. „Sein plötzlicher Abgang passte zu seinem Leben", sinniert Horst Woppowa, Abteilungsleiter der Kanu Schwaben, nach dem plötzlichen Herztod des Trainers. Sechs Wochen vor den Olympischen Spielen stand Bayerns Olympia-Hoffnung Nr. 1, Susanne Hirt, plötzlich ohne ihren väterlichen Trainer da, der sie auf diesen absoluten sportlichen Höhepunkt vorbereitete. „Es zieht mir den Boden unter den Füßen weg", diese ihre Worte sagen alles aus.

Wegbegleiter aus dem ganzen Kanusport trafen während der Deutschen Meisterschaft auf der Bogenbrücke zu einer kleinen Trauerfeier zusammen. Blumen, von den Trauernden im Gedenken über das Brückengeländer geworfen, schwammen den Eiskanal hinunter, symbolisierten die Vergänglichkeit.

Funktionen:

  • 1960     Gründungsmitglied Kanu Schwaben Augsburg
  • 1960 – 2000       Kanuslalom-Trainer bei Kanu Schwaben Augsburg
  • 1993 – 1997       DKV-Stützpunktleiter in Augsburg
  • ??? - 2000           BKV-Verbandstrainer Kanuslalom

Auszeichnungen:

  • 1970     DKV-Ehrenbrief
  • 1993     BKV-Ehrennadel in Gold

Aus Chronik "100 Jahre Bayerischer Kanu-Verband" 2024

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