Kurt Kreh

Ein Multitalent gewann Bronze bei der ersten Kanu-Weltmeisterschaft - dann kam der Krieg ,,,

Kurt Kreh

* 1917   † 1943


Es war eine kurze, aber äußerst erfolgreiche Sportlerlaufbahn für den Münchner Kurt Kreh, dann setzte der 2. Weltkrieg ihr ein jähes Ende.

Mit seinen größten Erfolgen ist Kurt Kreh in die Annalen des Bayerischen Kanu-Verbandes eingegangen: 1938 gewann er mit seinem Zweierpartner Alfred Fuchs für den MTV München die Deutsche Meisterschaft im Faltboot-Zweier der Herren über 10.000 m und noch im gleichen Jahr in Vaxholm (Schweden) die Weltmeisterschaften. Es waren die allerersten Weltmeisterschaften, die im Kanurennsport ausgetragen wurden.

Einen weiteren Sieg feierte Kurt Kreh u. a. 1939 im Viererkajak bei den Meisterschaften des Gau XVI, die in Starnberg ausgetragen wurden – ausgerichtet vom Bayerischen Kanu-Verband. Veranstalter war, wie zu jener Zeit üblich, der Nationalsozialistische Reichsbund für Leibesübungen.

In Erinnerung an den Menschen Kurt Kreh

Eines Tages erhielt der Verein Bayerische Kanugeschichte eine E-Mail, ob er am Nachlass von Kurt Kreh interessiert sei. Die Mail kam von Klaus Schwarz, der in Augsburg und in Singapur lebt. Er erzählt hier über seine Erinnerungen an das sportliche Multitalent Kurt Kreh:

„Ich war etwa 10 Jahre alt, als meine Tante Anna (Moser-Kreh) begann, mich ab und zu in München in den Schulferien aufzunehmen. Sie nannte mich immer Kurt. Wir wohnten in der Lindwurmstraße, in der gleichen Wohnung, in der sie damals ausgebombt wurde. Es waren nur ein paar Minuten zur Halle des MTV.

Ihr Mann war der Bruder meiner Großmutter. Er war Kfz-Mechaniker, hatte eine Werkstatt und drei Motorräder: eine BMW, eine AJS, und eine Norton 500 – sein ganzer Stolz. Er war Bayerischer Meister im Sandbahnrennen in der Klasse mit Beiwagen. Hans Moser wurde im Krieg als Mechaniker in eine Panzerdivision eingezogen und ist 1942 bei Charkow verschollen.

Kurt als Sportler dachte sicher, wenn schon Krieg, dann als sportliche Übung. Er ging zu den Gebirgsjägern und diente in einer Fahrradkompanie – ein militärischer Lebenslauf, der heute selbst den Grünen gefallen dürfte. Es hat ihm nichts genützt, 1943 endete sein junges Leben am Elbrus im Kaukasus nach einer Granatwerferverletzung. Er erlitt eine Gefäßzertrümmerung der linken Schulter und verblutete im Feldlazarett.

Ich bin 1956 geboren. Ich kannte weder Hans noch Kurt persönlich. Sie leben in meinen Erinnerungen. Aus dem Tratsch, wenn die Tanten und Omas zusammensaßen, an Sonntagen, bei Familienfeiern. Tante Anna hatte ihren Sohn und ihren Mann verloren.

Ich kann nicht sagen, was für ein Typ er war, der Kurt. War er cool, wie wir heute sagen würden? Sicher war er etwas, was es heute im Sport kaum mehr gibt: ein Multitalent.

Die Bilder und diversen Meisterschaften zeigen ihn im Einer-Canadier, Zweier, Vierer, Faltboot, auf dem Eiskanal … Ich bin kein Bootssportler, aber jeder weiß, wie schwer es ist, in all diesen Disziplinen ganz vorne dran zu sein. Er war es.

Es ist schwer, einen Nachruf zu verfassen, auf einen, den man nicht kennt. Aber irgendwie lebt er in mir, er ist da, gegenwärtig. Das ist es, was wir unseren Vorfahren schuldig sind, und in diesem Fall auch, was ich gerne tue. Ich bin stolz auf Kurt, und unendlich traurig, dass seine Sportlerkarriere durch den Krieg nicht nur unterbrochen, sondern ausgelöscht wurde.

Wäre er zurückgekommen, er wäre wahrscheinlich mein Lieblingsonkel geworden.

Hier sind diverse Zertifikate von Bayerischen und Deutschen Meisterschaften, und als Sahnestückchen die Bronzemedaille der ersten Kanu-Europameisterschaften 1938 in Stockholm.

In dem innigen Wunsch, dass wir und unsere jungen Sportler von Krieg und den Konsequenzen in Zukunft verschont bleiben mögen …

Klaus Schwarz, Singapur“

Uschi Zimmermann (01-2026)
Fotos von Kurt Kreh: Klaus Schwarz / Exponate: Verein Bayerische Kanugeschichte

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