Karl Gottlob Schott

Auch der Neuburger Karl Schott ließ sich früh für den neuen Kanusport begeistern. Das Mitglied des DRC Neuburg wurde in der ersten Hälfte der 1920er Jahre mit mehreren Weltrekorden im Tourenpaddeln einer der bekanntesten Faltbootfahrer

Karl Gottlob Schott

* 10. August 1897 in Neuburg a. d. Donau    † 1969


Auch der Neuburger Karl Schott ließ sich früh für den neuen Kanusport begeistern. Das Mitglied des DRC Neuburg wurde in der ersten Hälfte der 1920er Jahre mit mehreren Weltrekorden im Tourenpaddeln einer der bekanntesten Faltbootfahrer.

Im April 1922 startete er zu seiner ersten großen Tour von Neuburg nach Sulina am Schwarzen Meer. Grund der Fahrt war eine Wette, nach der er unter Einhaltung bestimmter Bedingungen auf der Donau von Neuburg bis ans Schwarze Meer in einem Holzkajak mit Auslegern und Treibsegel paddeln soll.

„Wohlvorbereitet tritt Schott im April 1923 eine Fahrt von Neuburg a.d. Donau abwärts in den Orient an. Schott ist kein Neuling auf dem Wasser. Zweimal schon ist er vorher die Donau abwärts gepaddelt bis zum Schwarzen Meer. Nach acht Monaten Fahrt kommt er in Kairo an. Seinen Plan, den Nil aufwärts zum Sudan zu reisen, kann er nicht verwirklichen, da dort Aufstände ausgebrochen sind.

Bereits im April1924 bricht Karl Schott mit seinem Vereinskameraden Xaver Dunz, der ihn auf einem Teil der Reise begleitet, in einem 5,20 m langen Klepper-Faltboot mit Takelage und dem Namen ‚PIRAT 3‘ auf. Die Tour führt von Neuburg über Konstantinopel und Alexandria nach Kairo. Der erste Teil der Reise bis nach Sulina am Schwarzen Meer findet als ‚Weitstrecken-Schnelligkeits-Rekord‘ statt und soll in 30 Tagen gefahren werden.

Seine zweite Großfahrt und seine vierte Orientfahrt tritt Karl Schott im Juli 1925 mit Foxterrier ‚Lumpi‘ an. Diesmal startet er in Riva am Gardasee, paddelte zur Adria hinunter, segelt an der Küste Dalmatiens durch die Straße von Korinth nach Piräus. Nach langen Verhandlungen mit den Behörden wird ihm gestattet, den Euphrat zu befahren. Über Bagdad und Basra erreicht er nach dreizehn Monaten den Persischen Golf. 14.000 Kilometer legt er auf der Reise zurück. Schotts Faltboot wird später im Deutschen Museum in München zur Schau gestellt.“ (1940)

Unter dem Naziregime mussten Schott und seine Frau Gusti aus Deutschland fliehen, nachdem er als SPD-Mitglied mehrfach verhaftet und ins KZ Dachau gebracht wurde. 1934 fuhren sie über die Schweiz und Marseille mit zwei Faltbooten und zwei Hunden ins Exil nach Spanisch-Marokko. Nach dem Putsch spanischer Offiziere gegen die Republik wurde Schott schließlich ins KZ Miranda am Ebro gebracht.

Nach Kriegsende versuchte das Paar, eine Einreisegenehmigung nach Bayern zu erhalten. Erst 1953 konnten sie nach Deutschland zurückkehren. Schotts sportliche Leistungen wurden nach der Ausbürgerung aus Sportlexika und Standardwerken zum Kanusport entfernt.

Quellen: Chronik „100 Jahre DRC Neuburg“ (2019) / Augsburger Allgemeine (5.11.2013) / Dr. Barbara Zeitelhack (2013) / Ludwig Dinklage (1940) / Verein Bayerische Kanugeschichte (Zusammenstellung: Ilse Entner, 06/2015)

Zusammenfassung: Uschi Zimmermann (Chronik „100 Jahre Bayerischer Kanu-Verband“)
Foto: Stadtarchiv Neuburg a. d. Donau

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