Tour International Danubien (TID) (seit 1956)
1957 schließen sich die Jugoslawen an, und die Fahrt geht bis
Belgrad. Ein Jahr später wird der Start nach Wien verlegt, 1961 nach Linz. 1962 beginnt die TID in Engelhartszell an der österreichisch-deutschen Grenze und führt über 1.200 km bis Kladovo/Jugoslawien.
Vor allem zu Beginn der Trennung Deutschlands dient die TID „innerdeutschen“ Treffen. Hier kannn man sich „auf neutralem Boden“ sehen und auf dem Wasser auch mal etwas ungestörter miteinander reden. An Land sind dann oft wieder „Spione“ dabei, die verbotene Gespräche wittern und an die Stasi melden.
In späterer Zeit, während des Kalten Krieges, sieht das wieder ganz anders aus. Manfred Wohlleben erinnert sich an seine Erlebnisse während der TID 1977:
„Ab Bratislava kamen ca. 150 Paddler aus drei DDR-Vereinen zur TID
hinzu, Einzelfahrer durften nicht teilnehmen. Die Pouch-Faltboote waren durchnummeriert und wurden immer gestapelt. Die Fahrtengruppen wurden von Aufpassern begleitet, und somit waren die Kontakte begrenzt. Weil sich aber nicht jeder daran hielt, wurde sogar von Vereinsausschluss geredet. Die Kameraden der DDR durften nicht nach Jugoslawien einreisen, für sie endete die Fahrt in Mohác.“
Seit ihrem ersten Start auf deutschem Gebiet 1965 (von Regensburg bis Russe/Bulgarien) gehört die Fahrt mit in die Aufzählung der traditionellen und populären bayerischen Wanderfahrten. Von 1968 bis heute erfolgt der Start in Ingolstadt. Das Endziel heißt seit 1969 Silistra in Bulgarien, wodurch die TID eine Streckenlänge von 2.080 Kilometern erreicht.
1974 fährt der erste und einzige offzielle russische Teilnehmer mit.
Die Paddler aus Staaten mit verschiedener Gesellschaftsordnung, Mentalität und Kultur lernen während der Fahrt die Donaustaaten, ihre Völker und Sitten kennen. So spielt die TID eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung der Freundschaft (bis hin zur Eheschließung) unter den Völkern. Im Laufe der Jahre kommen die Teilnehmer aus immer mehr und weiter entfernten Nationen (Lettland, Ukraine, Neuseeland, Australien, Japan).
1980 startet die 25. TID mit fast 1.000 Teilnehmern in Ingolstadt. Von 1991 bis einschließlich 1994 kann aufgrund des Jugoslawien-Kriegs die Strecke zwischen Mohács (Ungarn) und Novi Sad nicht befahren werden. Das jugoslawische Außenministerium kann die Sicherheit nicht gewährleisten. Kanuten und Ruderer werden mit Bussen und Lkws über Rumänien
mgesetzt. 1995, im 40. Jahr der TID, gibt es zwar keine offzielle Befahrung auf der serbischen Strecke, aber 14 Teilnehmer – eine kleine internationale Gruppe – riskieren die Fahrt auf eigene Verantwortung. Die Tour wird nach einem weiteren Start in Vidin in Silistra beendet. Ab 1996 kann wieder die gesamte Strecke von Ingolstadt bis Silistra befahren werden. Die Visa-Pflicht entfällt 2003 für alle Anrainerstaaten der Tour.
Zum 50. Jubiläum 2005 macht TID-Referent Max Scharnböck der Tour ein besonderes Geschenk: Er organisiert eine Vorfahrt von Donaueschingen bis Ingolstadt. Niki Christof aus Bulgarien zeichnet für die Organisation der Fahrt nach Sfantu Gheorghe im Donaudelta verantwortlich. Die TID kann ab diesem Jahr die komplette Donau – quasi von der Quelle bis zur Mündung (2.776 km) – befahren.
2010 wird schließlich auch Rumänien offziell in die Gemeinschaft der
TID aufgenommen. Seitdem geht die TID von Ingolstadt bis nach Sf. Gheorghe am Schwarzen Meer, über 2.455 km. 2018 sind bei der TID-Konferenz in Luncavita/Rumänien erstmals Offzielle aus Moldau und der Ukraine zugegen. Doch kann die Testfahrt 2019 wegen eines noch nicht fertigen Grenzübergangs nicht stattfinden. 2020 und 2021 muss die TID-Fahrt aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine verhindert seit 2022, dass die Tour International Danubien bis ins Schwarze Meer führen kann – der Endpunkt ist seitdem wieder Silistra, und die Gesamtstrecke beträgt erneut 2.080 km.
Die 66. TID-Tour startet am 25. Juni 2023 wie gewohnt in Ingolstadt und endet am 27. August in Silistra/Bulgarien. 2024 wird die TID wieder in Rumänien beschlossen, allerdings schon in Braila.
Hansjörg Schwarz hat über seine TID-Fahrt im Jahr 2022 einen Artikel im kanu-kurier veröffentlicht.
Auszug aus Chronik „100 Jahre Bayerischer Kanu-Verband“ (2024)
Aktuelle Infos zur jährlich stattfindenden Tour International Danubien (TID) unter https://www.tour-international-danubien.org/