Die XX. Olympischen Spiele 1972

In der Zeit der Olympischen Spiele, die vom 26. August bis zum 10. September 1972 durchgeführt wurden, tummelten sich über 500 jugendliche Kanusportler im Jugendzeltlager Dachau.

Die Organisation des Zeltlagers und die Betreuung der Jugendlichen lagen in den Händen der DKV-Jugendleitung mit Josef (Fips) Appel (BKV-Jugendwart aus München), Gerlinde Kirch (DKV-Jugendwartin) und Peter Grube (DKV-Jugendwart). Neben dem Besuch der Olympischen Wettkämpfe standen sportliche Fahrten auf bayerischen und österreichischen Alpenflüssen im Programm.

Eine stattliche Zahl von international bewährten BKV-Kampfrichtern* und Helfern stand für den olympischen Einsatz bereit. Die organisatorische Leitung der Kanuwettkämpfe in Augsburg und Oberschleißheim lag in den Händen von Karl Kaiser (Garching), dem ehemaligen Kanurennfahrer, der sich in Mexico auf diese Aufgabe vorbereitet hat.

Die Kanuslalom-Wettbewerbe auf dem Eiskanal in Augsburg endeten am 30. August 1972 mit drei silbernen und einer bronzenen Olympiamedaille für Deutschland (Bronze = Magda Wunderlich, München).

Während sich die Aufmerksamkeit jetzt der Regattaanlage Oberschleißheim zuwandte, fielen in der Nacht vom 4. auf 5. September im Olympischen Dorf Schüsse. Arabische Terroristen der Aktion „Schwarzer September“ drangen in die Unterkünfte der israelischen Mannschaft ein, erschossen den Trainer der Gewichtheber sowie einen seiner Schützlinge und nahmen neun weitere Israelis als Geiseln. Die heiteren Spiele von München wurden von einer olympischen Tragödie unterbrochen.

Am Morgen des 5. September sollten die ersten Wettkämpfe der Rennsportkanuten in Oberschleißheim beginnen. Zur allgemein gedrückten Stimmung kam die Frage auf, ob alle Athleten aus dem inzwischen hermetisch abgeriegelten Olympischen Dorf rechtzeitig an den Start kommen. Dies gelang trotz der widrigen Umstände. Die DKV-Mannschaft, für die sich kein bayerischer Fahrer qualifizieren konnte, kam in den Vorläufen eine Runde weiter.

Inzwischen nahm die Tragödie mit den Geiselnehmern ihren Lauf. Auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck endete sie schließlich mit dem Tod von vierzehn Olympiateilnehmern und Terroristen. Bei einer von 100.000 Menschen besuchten Trauerfeier im Olympiastadion verkündete IOC-Präsident Avery Brundage: „Die Spiele gehen weiter!“

Detlev Lewe (Schwerte) errang im Einercanadier die Bronzemedaille. Alle anderen DKV-Kanuten mussten sich mit Platzierungen in den Finalläufen zufriedengeben. Zu groß war die Überlegenheit der sowjetischen Rennsportler.

Auszug aus Chronik „100 Jahre Bayerischer Kanu-Verband“ (2024)

* u. a. Heinz Kohring (Bamberg), Jupp Seufert (Gemünden), Heiner Dauphin (Kleinheubach), Walter Faßnacht (SSKC Aschaffenburg)

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