Die Regattaanlage Oberschleißheim

Die Olympischen Sommerspiele 1972 in München waren eine Sternstunde des Sports für Deutschland. Zu diesem Anlass setzten der Architekt Michael Eberl und der Landschaftsarchitekt Georg Penker eine gewaltige Regattaanlage für die Austragung der Wettkämpfe im Kanurennsport und Rudern mitten ins Dachauer Moos.

Schon die Planung stand unter dem Motto „Olympia der kurzen Wege“. Dabei wurde auch an die nacholympische Nutzung gedacht, wobei schließlich die Nähe zu München ausschlaggebend war.

Die Tribünen mit dem Zielturm im östlichen Zielbereich verfügten während der Spiele über 9.000 Sitz- und 16.000 Stehplätze. Auch an Ehrengäste, Presse, Rundfunk- und Fernsehkommentatoren war gedacht. Im rückwärtigen Bereich der Anlage waren u. a. mehrere Caféterien, Kioske, Rundfunk- und Fernsehzentren, Presseräume, ein Postamt sowie ein Fernschreibraum (es gab noch kein Internet) untergebracht. Daneben präsentierte eine Ausstellung mit zahlreichen Demonstrationsobjekten die Entwicklung der Sportruderboote und Kanus.

Das 40 Hektar große Areal mit einem Ensemble aus Holz und Beton war zwar ursprünglich nicht „für die Ewigkeit“ gedacht, aber es entpuppte sich  ̶̶̶  nicht zuletzt aufgrund seines harten Wassers  ̶̶̶  als perfekt geeignet für den Leistungssport. Die Regattastrecke war und ist aufgrund ihrer Trainingsqualität bis heute in Deutschland unersetzbar und wird deshalb immer noch gerne zu Trainingslagern der deutschen Nationalmannschaften im Kanurennsport genutzt.

Weil die Regattaanlage parallel zur Hauptwindrichtung Südwest/Nordost gebaut wurde, gibt es auch bei starkem Wind vergleichsweise wenig Wellen, so dass gleiche Bedingungen für alle Bahnen herrschen. Ideal für Wettkämpfe auf höchstem Niveau, von nationalen bis hin zu internationalen Meisterschaften.

Dennoch wurde Oberschleißheim nie ein anerkanntes Leistungszentrum für den Kanusport. Schon 1972 wurden der Stadt München die Folgelasten der Olympischen Sportstätte überlassen. 20 Jahre später kaufte sich der Bund mit 6,8 Millionen Mark aus dem Olympischen Erbe frei, der Freistaat Bayern folgte 2011. Die Stadt München hat nie nennenswert in diese grandiose Anlage investiert – obwohl der BKV zusammen mit dem Bayerischen Ruderverband (BRV) und dem Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Bayern (BVS) gemeinsam jahrelang vehement für die Sanierung und den Erhalt der Regattaanlage kämpften. Mehrfach stand eine umfassende Sanierung schon kurz bevor. Aber 2018 wurde die Anlage unter Denkmalschutz gestellt, und dann kam Corona!

50 Jahre nach den Olympischen Spielen feierte der Sport in München 2022 mit den European Championships ein ähnliches Super-Event wie 1972. Doch die von den Organisatoren der Olympia Park GmbH getroffenen Maßnahmen, z. B. die Überbauung der Tribünen oder Sprecherkabinen, wurden anschließend wieder abgebaut.

Inzwischen verfallen die Tribünen weiter und sind für den Zutritt gesperrt. Das Schullandheim und die Räumlichkeiten daneben sind geschlossen. Das Leistungszentrum wurde ebenso wie die Bootshäuser und Block 3 saniert, auch in den Betrieb der Regattaanlage hat man investiert. Für eine größere und dauerhafte Sanierung jedoch fehlte der Stadt München das Geld.

Die einzige Hoffnung von BKV, BRV und BVS ist, dass die Münchner Bewerbung um die Olympischen Sommerspiele 2036 … 2044 erfolgreich ist. Dann stehen die Chancen gut, dass die Anlage wieder fit gemacht wird.

Text + Fotos: Uschi Zimmermann (01-2026) / Quelle BKV, Regatta München

Nachstehende Meisterschaften im Kanurennsport wurden auf der Regattaanlage Oberschleißheim ausgetragen:

Olympische Spiele (1972) / European Championships (2022) / Deutsche Meisterschaften (1973, 1976, 1980, 1985, 1989, 1993, 1997, 2000, 2002, 2004, 2008, 2011, 2015, 2017) / Süddeutsche Meisterschaften (1972, 1974, 1979, 1982, 1991, 1996, 1999, 2002, 2005, 2010, 2013, 2016, 2023) / Bayerische Meisterschaften (1972, 1977, 1978, 1983, 1987, 1988, 1990, 1991, 1992, 1993, 1996, 1998, 2001, 2003, 2006, 2019) / Deutsche Meisterschaft im Kanumarathon (2014) / Oktoberfest-Regatta mit nationaler und international Beteiligung (1973 – 2011)

Ausrichter waren der MTV München (bis 2011), Kanu-Regattaverein München (ab 2004 - 2020), KG München (2019), Regatta München (2023)

Auf der Anlage führte der Bayerischen Kanu-Verband auch Meisterschaften im Kanupolo, Drachenboot, Para Kanu und Stand-up-Paddling durch. Bis zu 3.500 aktive Besucher kamen in den Jahren 2015 bis 2023 zum jährlichen Kanu- und OutdoorTestival des BKV.

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