Münchner Kanuslalom (seit 1937)
Sie erkennen hier eine neue Chance, den Kajaksport
bekanntzumachen. Gemeinsam mit Ferdinand Staelin aus Württemberg installieren sie in der bayerischen Landeshauptstadt eine Slalomstrecke. Im Rahmen der 18. Isarregatta und der Deutschen Faltbootmeisterschaft am 27. Juni 1937 wird Münchens erster Kajakslalom durchgeführt. Die Wettkampfstrecke wird dafür mit Barrieren und Wenden „verschärft“. Sie reicht vom Flößerdenkmal über 1.200 m und 21 Tore bis in die Floßlände. Es ist weltweit der erst vierte Kanuslalom!
Sehr großen Anklang findet die neue Kanudisziplin auch bei den
begeistert mitgehenden Zuschauern. Dadurch ermutigt, entschließen sich die Organisatoren CIL Luther und Theo Bock, nur zwei Monate später – am 28. August 1937 – auf einer kürzeren Strecke einen zweiten Slalom zu starten. Es wird ein Wassersportfest, das mit einer Parade der Faltboot-Veteranen als Höhepunkt endet.
Der Floßkanal in Hinterbrühl erweist sich als eine der anspruchsvollsten Slalomstrecken Deutschlands. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis der erste internationale Kajakslalom am 26. Juni 1938 Teilnehmer aus Ungarn, Jugoslawien, der Schweiz und Deutschland nach München holt.
Bis 1941 werden – trotz Unterbrechung durch den Zweiten Weltkrieg –noch weitere fünf Slalomwettkämpfe ausgerichtet, darunter drei internationale und sieben nationale Veranstaltungen und als letzter Wettkampf 1944 die Deutschen Kriegsmeisterschaften und Deutsche Jugendmeisterschaften. Der Floßländekanal ist zu jener Zeit als Trainings- und Wettkampfstrecke ohne Beispiel.
Bereits am 8. Juni 1946 findet der erste Nachkriegsslalom auf
dem Floßkanal statt. Am 14./15. August 1948 wurden die ersten Deutschen Meisterschaften im Kanuslalom ebenfalls auf dem Floßkanal ausgerichtet.
1949 ermitteln die deutschen Slalomfahrer ihre Meister auf dem Floßkanal in München-Thalkirchen. Sämtliche hier zu vergebenden Titel werden von bayerischen Kanuten gewonnen. Diese erste Großveranstaltung des neuen DKV wird für alle ein großer Erfolg.
Am 22./23. Juni 1963 ist der 27. Münchner Kanuslalom für 18 Jahre der vorläufig letzte Wettkampf. Ursache ist die zunehmende Freizeitflößerei. Es ist kein Raum für die Kajaks zwischen den Flößen.
Am 26./27. September 1981 wird mit dem 28. Münchner Kanuslalom
die Wettkampf-Tradition fortgesetzt. Möglich ist das, weil die Rennen auf einen Zeitpunkt nach dem Eintreffen der Floßfahrten terminiert werden. In den Folgejahren wird die Strecke mit neuen Einbauten herausfordernder gestaltet.
Am 26./27. September 1987 findet der 34. Kanuslalom seit 1937 statt, gleichzeitig der 50. Kanuslalom in München-Thalkirchen, mit einem Rennen in historischen Faltbooten im Rahmenprogramm.
1999 stellen die Stadtwerke 30.000 DM für das Wasser für die Wettkämpfe nach der Floßfahrt in Rechnung, nehmen die Forderung aber nach heftigen Protesten zurück. 2003 fordern die Stadtwerke erneut einen Obolus: 6000 Euro sollen die Münchner Vereine für ausreichenden Wasserstand für Training und Wettkampf bezahlen. Nach Gesprächen mit der Bürgermeisterin Frau Dr. Burkert wird die Forderung wieder zurückgezogen.
Nachdem der ESV München 1991 den ersten Münchner Kanutriathlon ( Laufen, Radfahren, Paddeln) durchführt, wird die Wettkampfstrecke an der Floßlände ab 2001 mit einem Wildwassersprint (jährlich bis heute) und ab 2009 mit einem Kanu-Freestyle-Wettkampf an der Theo-Bock-Walze genutzt.
Nach einer Corona-Pause im Jahr 2020 organisiert die TG
München 2021 kurzfristig die Deutschen Meisterschaften für Jugend, Junioren und Leistungsklasse auf der Floßlände. Die bayerischen Kanuten sind mit sechs Titeln und 20 Medaillenrängen der erfolgreichste Landesverband. Nach den Deutschen Meisterschaften im Wildwasserrennsport richtet der Bayerische Kanu-Verband auch die DM Stand-up-Paddling „Wildwasser“ auf der Floßlände aus.
Münchner Kanuslalom
Ort:
München, Isar, Floßländekanal
Teilnehmer:
bis ca. 200 Teilnehmer (2014)
Wettkämpfe:
Deutsche Meisterschaften 1948, 1949, 1953, 1958, 2017, 2021 / Deutsche Jugendmeisterschaften 1941 / Deutsche Jugendbestenermittlung 1963 / Süddeutsche Meisterschaften 1947, 2000, 2007 / Intern. (C-)Slalom 1938, 1939, 1941, 1950, 1951, 1952, 1954, 1956, 2003 / vielfach Endläufe zur Bayerischen Meisterschaft
Ausrichter:
DTKC München mit CMK (1937 – 1980), Münchner Kanurenngemeinschaft (1981 – 1984), Ausrichtergemeinschaft CMK – FWM - TGM (1985 – 2019), TG München (ab 2021)
Text: Uschi Zimmermann (1-2026)
Quellen: Rolf Renner (CMK München) in Zusammenarbeit mit Volker Strüwing (ESV München), Chronik “100 Jahre Bayerischer Kanu-Verband” (2004)