BA.FA.WE.

Im Juni 1920 fusionierten die Faltbootbauer Hans Hart (Hart Compagnie) und Karl Steiner zur Bayerischen Faltbootwerft Steiner & Hart GmbH mit Sitz in der Ottostraße 12, München. Sie ließen die Firma unter dem Namen BA.FA.WE. in die Warenzeichenrolle des Reichspatentamtes eintragen.

Geplant war eine Serienanfertigung des Faltbootes in hohen Stückzahlen und zu moderaten Preisen. Ein Ausstellungs- und Verkaufsraum in der Münchner Innenstadt sollte das Faltboot für jedermann sichtbar präsentieren und Kunden werben. Dazu wollten sie eine werfteigene Zeitschrift, Bücher zum Faltbootfahren, Flusskarten, Aufbauanleitungen, Pegelstände und Reparatursets anbieten. Darüber hinaus wollten sie Filme vorführen, Vorträge halten und Schnuppertouren anbieten. Ein firmeneigenes Reisebüro sollte Freizeiten planen und Touren zusammenstellen.

Hans Hart fungierte zunächst als Geschäftsführer, Hans Berger komplettierte das Trio als Leiter der Werbeabteilung. Karl Steiner verließ die Firma bereits Ende 1921, um die Steiner-Werft weiterzuführen.

Der Start war vielversprechend, doch die Inflation ab 1922 führte zu mangelnder Liquidität und fehlender Kundschaft. Leonhard Freyberger und Josef Mayr stiegen als Gesellschafter mit ein. So wurde die Bayerische Faltbootwerft Steiner & Hart GmbH in Bafawesport – Vereinigte Faltboot- und Sport-Firmen – und schließlich in Bafawe - Freyberger-Südsport München-Sulzberg –, kurzzeitig auch in Bafawe-Sport – Freyberger und Berger – umbenannt. Laut „Kanu-Technik und Kanu-Sport von Alexander Büttner 1923", hatten sich auch die Vereinigte München-Hamburger Faltbootwerften beteiligt. Firmensitz und die Zentralbüros blieben in der Theresienstraße 78 in München, ebenso das Münchner Stadtlager und eine Reparaturwerkstatt.

Ende 1923 bezog das Unternehmen mit Büro sowie Verkaufs- und Ausstellungsräumen den neuen Hauptsitz in München, Pettenkoferstraße 7. Die Produktion verblieb in Sulzberg. In der Theresienstraße befanden sich noch das Stadtlager und die von Hans Hart übernommene Reparaturwerkstatt. Hart schied im gleichen Jahr als Geschäftsführer aus und verließ mit Karl Steiner die Firma.

Hans Berger und Leonhard Freyberger waren ab 1924 alleinige Inhaber der Bafawesport-Gesellschaft mbH. Das Hauptlager wurde von Sulzberg in die Freybergerschen Räume in der Münchner Rufordstraße verlegt. Ab jetzt erfolgte der gesamte Versand von München aus. Ebenfalls 1924 wurde die GmbH in eine AG umgewandelt, den Vorstand bildeten Hans Berger, Leonhard Freyberger und Josef Mayr. Nicht nur wirtschaftliche Schwierigkeiten, sondern auch rechtliche Probleme wegen der ständig wechselnden Firmierung und nicht immer korrekt erfolgter Registrierung führten Mitte 1924 zur Auflösung des Unternehmens.

Mitte 1924 gründete Hans Berger seine Firma Sport Berger, die den BA.FA.WE.-Verkauf für Süd- und Westdeutschland übernahm.

Quelle: https://freunde-historischer-faltboote.de/?p=1659
Text: Uschi Zimmermann (11/2025) / Abb.: Archiv Verein Bayerische Kanugeschichte

Das Besondere an der Fertigung der BA.FA.WE.:

Sie produzierte um 1922 u. a. Dreisitzer-Faltboote (5,20 x 0,74 m, Tiefgang 12 cm, Gewicht 24 kg, Zuladung 300 kg, Gerüst aus Esche, Verdeck aus weißem Baumwollsegeltuch, die Haut war eine "mehrschichtige Spezialhülle" aus gummiertem Hanfgewebe, Hautfarbe rot). Beschrieben wird das Kajak als „sehr geräumiges Boot für 2-4 Personen mit 3 Rückenlehnen, Holzwaschbord, Fußboden". Der Preis für das Boot ohne Paddel, ohne Rucksack, ohne Stabtasche, ohne Tragegurt usw. belief sich „ab Werft verpackt“ auf 11.800 Reichsmark. Inklusive drei Paddel, mit Rucksack, Stabtasche, Tragegurt, Cockpitdecke, drei Sitzkissen, Reparatursäckchen und Bootsleine war es „ab Werft unverpackt“ mit 14.620 Reichsmark zu haben.
Quelle: https://typen.faltboot.org/f0020_werften.php

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