Prijon (seit 1962)
„Man muss die Qualen genießen und an die letzten
Reserven gehen“, so lautete der Leitsatz von Toni Prijon sen. Er handelte danach und gewann 1958 und 1959 seine ersten Titel bei Deutschen und Weltmeisterschaften. Prijon war an der Soca aufgewachsen, seine sportliche Heimat fand er beim Kajak-Klub Rosenheim, dessen Ehrenmitglied er heute ist.
Am 2. April 1962 gründete er zusammen mit seiner Frau Lotte in Rosenheim die Toni Prijon Sportwerkstätte. Als Schreinermeister fertigte er seine legendären Holzpaddel. Mit unermüdlichem Fleiß und großem technischen Geschick verschaffte er sich bald einen Namen in der Kajakwelt. Der begnadete Bootskonstrukteur und Tüftler Toni Prijon entwickelte den Knickspant und das Abrissheck. Er ließ sich die Führungsrillen des Paddels patentieren, erfand den ovalen Paddelschaft und unzählige weitere Dinge, die allen Paddlern heute selbstverständlich sind. Der Grundstein zu einem Weltunternehmen war gelegt.
Toni Prijon erkannte die technischen Vorteile eines bis dato
im Bootsbau nicht bekannten Verfahrens, das Blasformen, und stieg in die Fertigung von Polyethylenbooten ein, die Prijon seither im eigenen Werk an der Innlände in Rosenheim herstellt. Der Taifun, das erste druckgeblasene Wildwasserboot seiner Zeit, revolutionierte den Markt.
Seit der Übergabe und Teilung der Firma 1992 ist Jürgen Prijon, selbst begeisterter Paddler, zuständig für die Produktion und den Vertrieb von Paddel, Slalom- und Abfahrtsbooten (www.prijon-shop.de). Der Geschäftsbereich Freestyle-, Wildwasser- und Seekajaks obliegt seinem Bruder Toni Prijon jun. (www.prijon.com).
Wie sein Vater ist auch Toni ein begnadeter Kajakfahrer und errang
1987 den Weltmeistertitel auf der Isère. Auch den Erfindergeist hat er vom Vater geerbt. „Toni Prijon ist ein Mensch, der in vielen Bereichen mehr tut, als man es erwarten könnte”, sagte die Oberbürgermeisterin von Rosenheim in ihrer Laudatio anlässlich der Verleihung des Wirtschaftspreises der Stadt Rosenheim im Oktober 2006. Sie würdigte damit den unermüdlichen Forschergeist der Rosenheimer Firma ebenso wie deren Engagement in Sachen Umweltschutz und bei der Schaffung neuer Arbeits- und Ausbildungsplätze.
Generationen beeinflusst
2007 wurde Firmengründer Toni Prijon sen. als Pionier geehrt und in die
Ruhmeshalle des Kanusports aufgenommen. Er war nach dem „Dichter im Paddelboot“, Herbert Rittlinger, und der Weltklassekanutin Jutta Grothaus-Steigerwald der dritte Deutsche in der Hall of Fame. „Keiner hat die Szene 45 Jahre lang so beeinflusst wie er, und seine bahnbrechenden Entwicklungen im Bootsbau haben auf mehrere Generationen von Paddlern eingewirkt“, hieß es in der Begründung der Jury. Toni Prijon sen. verstarb am 29.12.2016 im Alter von 87 Jahren, sein Vermächtnis wird heute bereits in der dritten Generation in Ehren gehalten.
Mit Prijon-Booten wurden in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Titel bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen gewonnen. Oliver Fix (Olympiasieger 1996 in Atlanta), Welt- und Europameister Fabian Dörfler im Kanuslalom sowie für den Wildwasserrennsport die Weltmeister Thomas Koelmann und Claudia Brokof stehen für Siege mit Prijon-Kajaks und -Paddeln.
Prijon gewann darüber hinaus Ansehen im Bereich der
Freestyle-Kajaks, als Sandra Schmidt mit dem Hurricane bei hochkarätigen Rodeos Siege einfuhr. Mit Prijon-Kajaks perfekt ausgerüstet, durchpaddelte Pionier Hans Memminger u. a. die berühmte Nord-West-Passage.
Die Produkt-Palette der Prijon-Boote reicht heute vom Leistungssport über Wildwasserboote für jeden Zweck hin zu Allroundern und Seekajaks. Auch im Behindertensport engagiert sich Prijon und stellt mit seinem Cruiser Einsteiger- und Freizeitboote sowie die Flotte, mit der bei den Special Olympics (Sportler mit intellektueller Beeinträchtigung) die Wettkämpfe ausgetragen werden.
Alle Boote werden in Handmanufaktur ohne Akkord zusammengebaut. Das Qualitätssiegel »Made in Germany« hat in Zeiten von Pandemien und der steigenden Globalisierung mehr Wert denn je. Und es steht auch für die Sicherung heimischer Arbeitsplätze und die Schonung der Umwelt.
Mittlerweile ist aus der kleinen Sportwerkstätte für Paddel unter der Leitung von Toni Prijon jun. eine Kajak-Manufaktur von Weltruf geworden.
www.prijon.com / Uschi Zimmermann (2012 / 01-2026) / Fotos: Prijon u. a.


