… und alle singen mit

Es gab wirklich einmal Zeiten, als nach dem Paddeln am Lagerfeuer gesungen wurde – und das ist noch nicht einmal sooo lange her. Hermann Gründl aus Nürnberg, von 1969 bis 1989 Wandersportwart im Bayerischen Kanu-Verband, hat das Büchlein „… und alle singen mit“ geschrieben.

Dieses 112 Seiten starke „Heftchen“ ist eines von zahlreichen Exponaten im Archiv des Vereins Bayerischen Kanugeschichte, "vererbt" von Gründls Lebensgefährtin Tony Meffert. Gut aufbewahrt, ins Inventarverzeichnis aufgenommen – und jetzt auch digitalisiert. Das Einscannen hat ein Freiwilliger übernommen, der Interesse am Inhalt des Büchleins bekundet hat. Es war ihm ein Anliegen, dass diese Lieder nicht verloren gehen.

Am PC wurden seine vielen Scans noch nachbearbeitet und mit reduzierter Datenmenge zu einem PDF zusammengefügt, das wir der Abbildung hinterlegt haben. Schaut Euch die vielen Seiten einmal an – und staunt! Der ein oder andere wird dabei vermutlich gleich anfangen zu singen …

Welche Mühe und Arbeit hat Hermann Gründl sich damit gemacht!!! Mit viel Akribie hat er 106 Lieder mit der Hand geschrieben, dazu Noten gezeichnet und – typisch Gründl! – zu jedem Song das passende Bildchen gezaubert. Er konnte einfach nicht anders … Kein Gründl-Text – egal zu welchem Anlass – ohne Bild. Wie viele Stunden hat er wohl über diesen vielen Liedtexten gesessen, bis die Broschüre druckfertig war? Er hat leider nicht vermerkt, in welchem Jahr er dieses Werk verfasst hat … Das Ergebnis kann durchaus als Kulturgut bezeichnet werden, es ist nicht nur für den Kanusport wertvoll.

Dabei war das Sammeln all dieser Lieder vermutlich noch die geringste Arbeit. Vom gängigen Volkslied (z. B. Am Brunnen vor dem Tore oder Das Wandern ist des Müllers Lust) über Shanties (Rolling Home) bis hin zum reinen Paddlerlied „Wir sind Kanuten“ – und natürlich, gleich zu Allererst, das Frankenlied – ist alles enthalten, was das Repertoire am Lagerfeuer hergibt.

Und dann findet sich auf der Seite 99 noch das „Skigebet“ (schon immer wurde im Sommer gepaddelt und im Winter Ski gefahren), das sich problemlos in ein „Paddlergebet“ ummünzen ließe. Heute würde Hermann Gründl vermutlich um Wasser bitten – mit größter Dringlichkeit …

Das alles hat der Nürnberger so „nebenbei“ gemacht – parallel zu all den anderen Aufgaben und Zielen, die er sich gesetzt hat: in der Ausbildung, im Umweltschutz etc., neben seinen anderen schriftlichen Werken, wie der „Kanu-Fibel – ein Handbuch für Kanusportler und solche, die es werden wollen“ und den Kanu-Wanderführern für Bayern. In den Jahren 1973 bis 1984 hat er vier Exemplare verfasst.

Hermann Gründl war ein „Hans Dampf in allen Gassen“, der für den Kanusport gelebt hat – siehe auch das Portrait über ihn: https://www.kanugeschichte-bayern.de/Persoenlichkeiten/Bedeutende-Persoenlichkeiten/Bedeutende-Persoenlichkeiten-News/70/Hermann-Gruendl.

Man kennt einen Herbert Rittlinger, einen Otto von Stritzky, einen Carl J. Luther (CIL), einen HUS und einen Artur Nikolaus. Aber wer kennt Hermann Gründl? Wir sollten ihn in eine Reihe mit diesen Autoren stellen. Er hätte es mehr als verdient!

Uschi Zimmermann (04-2026)

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