Bootswerft J. Appel, München (ca. von 1950 bis 1968/1980)
Im Bayerischen Kanu-Verband von heute erinnert man sich an
Fips Appel weniger an den Bootskonstrukteur, sondern eher an den 1. BKV-Jugendwart (1956 bis 1972), den Amtsvorgänger des unvergessenen Fritz Glaser.
Doch Fips Appel erwarb sich auch international einen Namen durch die Entwicklung seines „Appel-Eski“. Er gehörte zu den ersten Konstrukteuren, die serienmäßig Kajaks aus Polyesterharz und Glasfasermatten fertigten.
Schon seit 1949 tüftelte, goss und feilte er an einem „Boot aus der Retorte“. Als in jungen Jahren selbst erfolgreicher Kanurennsportler und später Rennsporttrainer im Bayerischen Kanu-Verband und in seinem Verein, dem MTV München, kannte er die Bedürfnisse der Paddler genau.
Das erste Boot aus der Retorte
Bereits Ende der 1950er Jahre stellte er in seiner Werkstatt in der
Theresienstraße 148 in München Einer-Kajaks aus mit Glasfaser verstärktem Kunststoff her, die teilbar waren und leicht mit dem Pkw oder der Bahn zu transportieren. „Bahnbrechend für den bequemeren Transport“ nannte die Zeitschrift Kanu-Sport Nr. 02/1992 im Nachruf auf Fips Appel die Bedeutung der Appel-Kajaks und -Canadier.
Diese teilbaren Appel-Eskis wurden in vielen bayerischen Kanuvereinen
gefahren. 1955/56 kaufte u. a. auch die WSG Kleinheubach die ersten Bootsschalen von Fips Appel; den Süllrand und das Verdeck baute der Verein selbst darüber.
Auf der Ausstellung „Wassersport und Wochenende“ 1958 in Berlin zog Appels Stand große Aufmerksamkeit auf sich. „Dem Kunststoffboot gehört die Zukunft durch seine größere Festigkeit und nicht zuletzt auch wegen seiner Preiswürdigkeit“, heißt es in einem Artikel in der Zeitschrift Kanu-Sport. Das Kajak, das damals für 330 DM gekauft werden konnte, fand großen Zuspruch unter den Besuchern. Es war für Wildwasser bis hin zu Küstengewässern geeignet.
Im Februar 1962 bot Josef Appel erstmals einen 5 m langen und
63 cm breiten teilbaren Eski-Einer aus GFK (glasfaserverstärktem Polyester) an. Das Laminat wies für damalige Verhältnisse eine hohe Qualität bei relativ geringem Gewicht (ca. 21 kg) auf, da Fips Appel den Rumpf zwischen zwei Formen presste und damit quasi das Prinzip des heutigen Vakuumverfahrens vorwegnahm. Die glatte Innenseite des Stauraumes ließ nach dem Entfernen des Sitzes ein leichtes Beladen des Bootes ohne Verhaken an Spanten oder Senten zu.
Zerlegbar und ineinandergeschoben
Die Mehrzahl der Paddler nutzte zu jener Zeit noch zerlegbare Faltboote. Denen machte der Appel-Eski nun Konkurrenz: Zerlegt und ineinandergeschoben war er mit seiner Länge von nur 2,75 m praktisch im Gepäckwagen der Bahn transportierbar, das Heck bot sogar noch Platz für Transportgepäck. Weitere Vorteile gegenüber den Faltbooten boten der schnelle Zusammenbau (ca. 8 Minuten) sowie die oft etwas höhere Geschwindigkeit. Stein- oder Ast-Hindernisse im Wasser waren beim Faltboot gefährlich, machten dem GFK-Kajak aber nicht mehr viel aus.
Bei der Bootsschau in Berlin 1965 stellte er außerdem
seinen Siebener-Canadier aus, geteilt und zusammengebaut. „Als Jugendboot bisher noch nicht übertroffen“, heißt es im Artikel im Kanu-Sport Nr. 7 von 1965. Das Boot hatte eine Länge von 6,20 m (zerlegt je 3,10 m) eine Breite von 1,12 m und eine Höhe von 50 Zentimetern. „Es wird mit 21 Stahlschrauben durch einen Flansch, der ihm eine größere Festigkeit verleiht als einem ungeteilten dieser Länge binnen 10 Minuten wasserdicht verschraubt“, schreibt Herbert Rittlinger auf Seite 110 in seinem 1977 erschienen Buch "Neue Schule des Kanusports".
Mit einem Zwischenstück konnte man den Appel-Eski zum Zweier oder gar zum Dreier "verlängern“. So wurde das Kajak in einen etwas kippeligen, aber recht schnellen Zweier von 6,50 m Länge verwandelt. Im zerlegten Zustand wurde das Boot durch das Zwischenstück nicht verlängerte, da es über die schmale Spitze geschoben wurde. Auch den Zweier konnte man so zum Fahrradpreis in der Bahn mitnehmen.
Seine flexible Abschottung mittels Gummischlauch ließ Appel sich lt. Kanu-Sport 10/1963, S. 211, patentieren.
Die Appel Eskis taugten (in gewissem Rahmen) für alle Gewässer von Seebefahrungen bis hin zum Wildwasser und ebenso für den Leistungssport. Wolfgang Bisle fuhr seine erste Grönlandexpedition 1988 im Appel-Eski und sparte damit viel Transportgeld.
Neben Kajaks stellte Fis Appel auch Bootswagen her, die sich
mit der ihm eigenen Perfektion durch Umbau auch für die kleinteiligeren Gepäckstücke von Faltbooten und Canadiern verwenden ließen (siehe Anzeige im Kanu-Sport 16/1977). Er verkaufte sie in Zusammenarbeit mit Edi Schnappinger (Eskimo).
Die Lizenz und Produktion zum Bau der Appel-Eskis wurden 1980 an die Bootswerft Karl Danner in Diez an der Lahn übergeben.
Hergestellte Bootsvarianten:
- Appel Eski: K1 Segmentboot/Hartschale, 5 m Länge, 64 cm Breite – ab 1965, ab 1977 mit einsetzbaren Mittelstücken in 80 und 120 cm Länge zum Zweier erweiterbar
- Appel Meer-Eski, ein Einerkajak (Hartschale) – Maße unbekannt, aber er ließ sich mit Mittelstücken von 80 oder 120 cm zum Zweierkajak erweitern (Kanu-Sport 16/1977)
- Appel Siebner Canadier: 6 Sitzplätze, Segmentboot/Hartschale, 6,20 m Länge, 118 cm Breite – Kanu-Sport 1965,1966,1967,1970,1977
- Appel SW450 (von 1967 bis 1969), ein Sport- und Wanderkajak: K1 Segmentboot/Hartschale, 4,5 m Länge, 63 cm Breite
- Appel WW450 (ab 1969): ein verkürzter Eski, jedoch ohne hochgezogene Spitzen und mit gewölbtem Oberdeck mit einer Länge von 4,5 m und 62 cm Breite
Wanderkajaks („robust, mittelschnell und gutmütig, gepäck- und fahrtentauglich“), ab 1966 gebaut
- Appel Puck: K1 Segmentboot/Hartschale, 4,52 m Länge, 61 cm Breite – Material GFK
- Appel Troll: K1 Segmentboot/Hartschale, 5 m Länge, 64 cm Breite
Uschi Zimmermann (09-2026)
Quellen: https://typen.faltboot.org/f0020_werften.php; https://wiki.faltboot.org/wiki/index.php?title=Appel-Eski